Prüfungen in Zeiten von Corona

Das Coronavirus zwingt die Schweizer Hochschulen, rasch umzudenken: Wie können die anstehenden Abschlussprüfungen des Frühlingssemesters sicher virtuell durchgeführt werden?

Text: Nathalie Roth, publiziert am 06.05.2020

Der Präsenzunterricht an den Schweizer Hochschulen wurde für dieses Semester eingestellt, Hochschulunterricht findet nur noch virtuell statt. Doch was ist mit den Prüfungen? Schliesslich möchten die Hochschulen sicherstellen, dass ihre Studierenden trotz Coronakrise ihr Studium rechtzeitig abschliessen können. Es bietet sich also an, nicht nur den Hochschulunterricht, sondern auch die Semesterprüfungen virtuell durchzuführen. Schliesslich gibt es ja zahlreiche Möglichkeiten für Web und Video Konferenzen, und schriftliche Prüfungen können problemlos über das Learning Management System eingereicht werden, das sowieso bereits an allen Hochschulen im Einsatz ist.

Doch so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. Bei einer Semesterprüfung treten mehrere Hundert Studierende an, die alle gleichzeitig und online geprüft werden müssen – schriftlich wie mündlich. Das bringt nicht nur technische Herausforderungen mit sich, sondern auch menschliche: Wie kann sichergestellt werden, dass die Studierenden während einer Prüfung, die sie online bei sich zuhause durchführen, nicht spicken? Wie kann gewährleistet werden, dass die Studentin bei einer mündlichen Prüfung via Web Konferenz unter ihrer Haarpracht keine Kopfhörer trägt, über die ihr die Lösungen eingeflüstert werden? Oder dass beim Studierenden zuhause niemand unter dem Pult sitzt und die Lösungen souffliert?

Auch bei den schriftlichen Prüfungen kann nicht garantiert werden, dass die Studierenden nach dem Login in die Prüfungsumgebung wirklich selber an der Tastatur sitzen und die Lösungen eingeben. Es sind Fragen über Fragen, welche die Hochschulen derzeit beschäftigen, denn normalerweise legen die Studierenden ihre Prüfungen direkt in den Hochschulen ab – zwar ebenfalls elektronisch, aber unter Aufsicht und mit Überprüfung ihrer Identität.

Die Überprüfung der Identität der Studierenden ist bei Online-Prüfungen, die von zuhause aus durchgeführt werden, aktuell immer noch eine der grössten Herausforderungen, mit denen sich die Hochschulen konfrontiert sehen. Einige Hochschulen umgehen das Problem, indem sie die Prüfungen in viel grössere Räumlichkeiten verlegen oder auf das Herbstsemester verschieben. Andere wiederum setzen auf die Ehrlichkeit ihrer Studierenden und lassen sie vor der Online-Prüfung einen Ehrenkodex unterschreiben. Die Mehrheit der Schweizer Hochschulen führt die Semesterprüfungen trotz Coronakrise nun online wie geplant durch und verlässt sich auf ihre E-Assessment Experten.

eduhub: gemeinsam nachhaltige Lösungen entwickeln

Die Special Interest Group for e-Asssessment – eine Sub-Community der Schweizer E-Learning Community eduhub – besteht aus Experten für E-Assessment an Schweizer Hochschulen. Die SIG trifft sich regelmässig, um sich über die offenen Fragen auszutauschen und zu beraten – fast jede Schweizer Hochschule ist vertreten. Zurzeit finden zusätzlich wöchentliche virtuelle Kaffeepausen für den informellen Austausch statt. Es werden Erfahrungen abgeglichen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Dieser Expertenaustausch ist gerade in der aktuellen Coronakrise äusserst wichtig und wertvoll, denn gemeinsam findet man in der Regel bessere und nachhaltigere Lösungen als im Alleingang. Durch die Vernetzung der E-Learning-Akteure und -Experten will SWITCH die Hochschulgemeinschaft darin unterstützen, die Möglichkeiten der Digitalisierung effektiv zu nutzen.

Safe Exam Browser macht weltweit Schule

SWITCH unterstützt die SIG schon seit ihren Anfängen im Jahre 2013 und setzt sich auch für das Schweizer Open Source Projekt Safe Exam Browser (SEB) ein – ein Browser, der elektronische Prüfungen sicher macht. Das SEB Konsortium wurde 2015 von der ETH Zürich und SWITCH gegründet. Heute zählt es 21 Mitglieder aus aller Welt. E-Assessment spielte schon 2015 eine wichtige Rolle in der Schweizer Hochschullandschaft, doch damals hatte sich niemand träumen lassen, wie wichtig eine funktionierende und einsatzbereite Infrastruktur und Experten-Community einmal sein würde, und wie schnell es sie brauchen würde.

Heute wissen wir es besser. Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung an den Schweizer Hochschulen einen raketenhaften Anschub verliehen. Aber auch nach Corona dürfte E-Assessment weiterhin an Relevanz gewinnen, denn der digitale Wandel greift tief und verändert die Hochschullehre von Grund auf. Es lohnt sich also für die Schweizer Hochschulcommunity, am Ball zu bleiben und den Safe Exam Browser voranzutreiben – nicht nur während Krisenzeiten.

Über den Autor
Nathalie   Roth

Nathalie Roth

Die gelernte Übersetzerin und Dolmetscherin arbeitet seit 2009 bei SWITCH. Sie betreut die Schweizer E-Learning Community eduhub. Zuvor war Nathalie Roth als E-Learning Autorin bei einer Schweizer IT-Firma tätig.

E-Mail

Was ist die Rolle von SWITCH bei eduhub?

SWITCH sieht sich in der Rolle des «Enablers», das heisst, die Stiftung koordiniert eduhub, organisiert und finanziert alle Community-Events. Zudem betreut und hostet SWITCH die eduhub-Website und kümmert sich um den Versand des wöchentlichen Newsletters. Die inhaltliche Stossrichtung von eduhub gibt die "Educational Technology Working Group" (ETWG) vor. Sie besteht aus den Leitenden der E-Learning Support Zentren an Schweizer Hochschulen.

Mehr erfahren

Weitere Beiträge